Christiane Kutik: Liebevolle Begleitung ins Leben

„Babys spüren die Gefühle ihrer Eltern sehr genau. Sind Mütter oder Väter ängstlich und unsicher, so verhalten sie dann auch entsprechend. In der großen neuen Welt, in der sich die Kleinen erst nach und nach zurechtfinden müssen, ist es für sie lebensnotwendig, Erwachsene zu erleben, die ihnen Orientierung und Sicherheit geben können“, sagt die Pädagogin und Familientrainerin.

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Christiane Kutik ist Erzieherin, Familiencoach, Buchautorin zahlreicher Erziehungsratgeber und Kommunikationstrainerin. Sie leitet das Ipsum-Institut - Institut für Pädagogik, Sinnes- und Medienökologie – in München. Dort bildet sie Erzieherinnen und Therapeuten als Elternberater für die frühe Kindheit aus. Auch Eltern sind als Teilnehmer willkommen.

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Haben junge Eltern heute mehr Beratungsbedarf als früher?

In meiner Praxis erlebe ich, dass Eltern heute sehr unsicherer sind. Tatsächlich fehlt ihnen das Lernen am Modell, wo man, wie früher in einer Großfamilie, automatisch mitbekommt, wie ein Baby zum Beispiel gehalten, gewickelt und getröstet wird. Eltern sind ja offen, und sie suche Rat – hier und da und dort. Sie können die vielen Botschaften dann oft nicht mehr filtern und sind erst recht verunsichert. Dabei fehlt es Müttern und Vätern keineswegs an Kompetenz. Sie haben in den meisten Fällen das richtige Gespür für die Bedürfnisse ihres Babys. Doch um die Signale richtig deuten zu können, brauchen Eltern – aus meiner Beobachtung – selbst jemanden, der ihnen Sicherheit gibt und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten als Eltern stärkt. Die eigene Mutter? Oder eine erfahrene Fachkraft, wie zum Beispiel eine Hebamme, eine Doula oder Elternberaterin.

 

 

Woran liegt es denn, wenn Eltern Schwierigkeiten haben, die Signale ihres Babys richtig zu deuten?

Mütter und Väter übertragen ihre eigene Lebenshetze oft auf ihr Kind. Sie handeln überstürzt, wenn ihr Kleines mal weint, nehmen es sofort aus der Wiege. Damit ist nichts gewonnen, denn vorschneller Aktionismus macht das Baby erst recht nervös: raus aus der Wiege, wieder rein, noch mal raus, durch die Wohnung tragen und so fort. So kann sich das Baby nie auf eine Situation einlassen. Es kann gar nicht zur Ruhe kommen, denn im nächsten Moment ist es wieder anders. Besser wäre, erst mal ein, zwei Minuten tief durchzuatmen und sich dann dem Baby zuzuwenden. Das heißt, es anschauen und mit beruhigender Stimme zu ihm sprechen: „Ja, die Mama ist ja da...“ – und dabei die Hand ganz leicht aufs Bäuchlein legen. Wichtig ist, den Eltern zu vermitteln, dass Babys nicht immer gut gelaunte Wonneproppen sein können und dass zärtliche Zuwendung ein wahres Wundermittel ist. Nicht selten sind Babys so übermüdet, dass sie nur noch kurz schreien und dann erschöpft, aber selig einschlafen.

Was brauchen Babys in den ersten Lebensmonaten ganz besonders?

Sie brauchen vor allem Rhythmus und Regelmäßigkeit. Sich orientieren können und wissen, woran man ist: Das ist für Kinder lebensnotwendig. Sie brauchen eine von den Eltern vorgegebene Ordnung, die ihnen die Gewissheit gibt, dass sich alles Tag für Tag auf die gleiche Weise wiederholt – Pflege, Essen, Schlafen, Spielen. Regelmäßigkeit verschafft auch den Erwachsenen die Freiräume, die sie brauchen, um sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse nicht aus den Augen zu verlieren. Das zuverlässige Verhalten der Eltern gibt dem Baby Halt und Geborgenheit. Es hilft ihm, seine eigenen Emotionen besser wahrzunehmen und steuern zu können. Es lernt mit der Zeit, was passiert, wenn es neu gewickelt oder gefüttert wird oder wenn Mama und Papa mit ihm spielen und schmusen. Es speichert in seinem Gehirn wichtige positive Erfahrungen. Wie viele es sind, hängt nicht zuletzt von einer guten Kommunikation zwischen dem Baby und seinen Eltern ab. Kein Wunder also, dass Babys im ersten Lebensjahr vor allem viel Zeit und Ruhe brauchen – und seine Eltern ebenfalls.

Ist es gut, wenn Mütter oder Väter mit ihren Babys möglichst früh Kurse besuchen, etwa Krabbelgruppen oder Babyschwimmen?

Ich halte das im ersten Lebensjahr für nicht erforderlich und auch nicht für gut. Die Pflege des Babys bestimmt den Alltag. Was die Kleinen unbedingt brauchen, ist das innige Zwiegespräch mit Mama oder Papa. Eltern sollten mit ihrem Kind sprechen, wenn sie es waschen, wickeln, an- und ausziehen. Die Pflege eines Kindes ist eine ideale Gelegenheit für Begegnung: Augenkontakt, liebevolle Berührung, Ansprache. Liedchen und Streichelspiele gehören dazu. Sie fördern die Bindung zwischen Baby und Eltern. Das Selbstbild des Kindes entwickelt sich durch den liebevollen Umgang mit ihm. Durch den innigen Austausch und das Einbeziehen des Kindes in alle Abläufe entsteht bald in ihm das Gefühl, selber etwas bewirken zu können. Eine gute Basis fürs Selbstvertrauen. Ein guter Kontakt ist nur möglich und sinnvoll, wenn alle Störquellen ausgeschaltet sind: Mobiles über dem Wickeltisch oder aufgezogene Spieluhren stören die Zweisamkeit zwischen Mutter und Kind nur.

Wie wichtig sind Rituale und ein Rhythmus im Tagesablauf mit dem Baby?

Sehr wichtig. Je mehr Eltern den Alltag strukturieren und für einen immer wiederkehrenden Ablauf sorgen, desto mehr Ruhe vermitteln sie ihrem Kind. Es hat die beruhigende Erfahrung gemacht, dass sich alles in regelmäßigen Abständen wiederholt: Ausziehen, Wickeln, Anziehen, Essen, Spielen, Schlafen. Mehr braucht ein Kind im ersten Lebensjahr nicht. Das ständige Wiederholen immer gleicher Abläufe gibt ihm die Sicherheit, die es braucht, um sich ungestört zu entwickeln.      

Brauchen Babys eigentlich Frühförderkurse, wie sie heute oft angeboten werden?

Nein, im ersten Lebensjahr auf keinen Fall. Weniger ist bei Babys immer mehr. Der Umgebungswechsel, die fremden Kinder und Erwachsenen, das Bespielen – obwohl es sonst im Tagesablauf nicht vorgesehen ist -, verunsichert die Kleinen. Oft haben Mütter den Wunsch, sich mit anderen Frauen in der gleichen Situation zu treffen und sich auszutauschen. Doch ein echter Austausch wird nicht zustande kommen, denn jede Mutter muss sich während des Kurses ja um ihr Baby kümmern. Immer schreit eines oder mehrere, und von einer guten Kommunikation kann keine Rede sein. Übrigens auch nicht zwischen Mutter und Kind. Das Kleine wird unsicher, wenn die Mama es beim Spielen nicht anschaut, weil sie sich gerade mit der Nachbarin unterhält.

 Aber vor allem Mütter möchten doch auch mal Kontakte zu anderen knüpfen. Wie kann das mit Baby gelingen?

Mütter haben viel mehr davon, wenn sie sich mal am Abend oder am Wochenende ohne ihre Kinder treffen. Viele Väter sind froh, wenn sie ihr Baby mal eine Weile allein versorgen können. Es gibt Austausch- und Bildungsmöglichkeiten für junge Mütter oder Väter. Wir bieten in unserem Institut die Weiterbildung zur Elternberaterin oder zum Elternberater „Frühe Kindheit“ an. Dabei geht es darum, Eltern in ihrer Erziehungskompetenz zu stärken. Eine der dringendsten Aufgaben unserer Zeit. Denn immer häufiger werden bereits bei jüngsten Kindern Entwicklungsdefizite diagnostiziert – obwohl sie ganz gesund zur Welt kamen. Zu den vielfältigen Ursachen zählen Fachleute unter anderen das Fehlen eines entwicklungsfördernden Umfelds. Das IPSUM-Institut macht sich für eine Erziehungspraxis stark, die sich an den Entwicklungsbedürfnissen der Kinder orientiert und wissenschaftlich fundierte Forschungsergebnisse mit einbezieht. Wir wollen in unseren Kursen ein Bewusstsein dafür wecken, wie es gelingt, dass Kinder lebensfroh heranwachsen und gleichzeitig auch die Fülle ihrer körperlichen, seelischen und geistigen Möglichkeiten entfalten können.

Frau Kutik, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das Interview führte Jette Lindholm für unsere Redaktion

Infos

Neu: Die insgesamt 12 Kurs-Wochenenden für die Ausbildung zum/zur Elternberater(in) „Frühe Kindheit“ können nun auch einzeln von interessierten Müttern und Vätern besucht werden. Dabei geht es zum Beispiel um Themen wie: Impfen, Kinderkrankheiten, sichere Bindung trotz Fremdbetreuung, gesunde Sprach-und Bewegungsentwicklung, Ernährung, Erziehen ohne Stress usw. Der nächste Kurs beginnt am 15./16. Oktober 2010. Ein späterer Einstieg ist möglich. Weitere Informationen erhalten Sie bei Christiane Kutik unter: 089/92729676. Informationen im Internet: www.christiane-kutik.de

Wer mehr über das Ipsum-Institut und das Elternbildungsprogramm erfahren möchte, findet umfassende Informationen im Internet auf der Homepage von Christiane Kutik: www.christiane-kutik.de  

Klicken Sie hier wenn Sie Näheres zum IPSUM-Institut erfahren möchten.

Ein weiteres Interview zur "Fühen Kindheit" mit Christiane Kutik finden Siehier .

Buchtipp:

Christiane Kutik

Erziehen mit Gelassenheit

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, überschlagen sich die Gefühle: Glück und Freude, bald kann es jedoch auch Spannungen und Ärger geben. Das Kind ist beispielsweise eigenwillig, in der Beziehung beginnt es zu kriseln, die Nerven liegen blank.
Christiane Kutik - erfahrene Erzieherin und Elterncoach - zeigt 12 konkrete Wege zu mehr Gelassenheit im Familienalltag auf.

ErziehungmitGelassenheit

"Die Anforderungen, die im Alltag mit Kindern auftauchen, sind oft viel umfassender, als wir uns das vorgestellt haben. In keiner Familie verläuft alles immer harmonisch und glatt, Wer war nicht schon erleichtert, wenn er erlebt hat, dass es auch woanders mal drunter und drüber geht. 'Wie bei uns!'sagen wir dann. Oder 'Das kommt mir bekannt vor!'" sagt Christiane Kutik in ihrem Buch, das Eltern Mut macht und praktische Unterstützung bietet."Denn", meint die Pädagogin und Buchautorin,  "es gibt sie kaum, die geborenen Eltern, die von Anfang an alles richtig machen. Und das ist auch gut so. Eltern sein ist höchste Entwicklungszeit - auch für die eigene Persönlichkeit. Sie bedeutet nicht nur Erziehung, sondern auch Selbsterziehung auf allen Ebenen. Ein neues Selbstverständnis und Selbstbewusstsein ist hier gefragt. Unabhängig davon, ob wir alleinerziehend sind, ob wir als Mutter oder Vater 'nur' Haushalt und Kinder zu versorgen haben oder ob wir versuchen, Berufstätigkeit und Elternschaft zu vereinen."

Urachhausverlag, 16,90 Euro

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