Computer - Wann und warum er Kindern schadet

Meret, sechs Jahre, sitzt vor dem Computer und füttert im virtuellen Bauernhof seltsam gackernde Hühner. Ein echtes Huhn im Hühnerpark, einen Hahn auf dem Misthaufen und eine schwarz gefleckte Kuh hat sie bisher in natürlicher Umgebung noch nicht gesehen, geschweige denn gehört, gerochen oder angefasst. Wie sich Meret als kleine Bäuerin durch Kuhstall, Pferdekoppel, Entenweiher und Hühnerpark klickt, hat sie im Computerkurs gelernt, den ihr Kindergarten für künftige Schulanfänger anbietet. Und als die Mädchen und Jungen vor kurzem eine Maus malen sollten, zierte Merets Bild nicht den putzigen kleinen Nager, sondern eine Computermaus.

Abtauchen in virtuelle Scheinwelten

In immer mehr Kindergärten heißt es „Ran an die Maus!“. Fünf- bis Sechsjährige sollen hier bereits vor Schuleintritt mit Computer und Internet vertraut gemacht werden. Auch Grundschulen setzen auf Multimedialität. Immer mehr Eltern messen die Qualität des Grundschulunterrichts daran, ob die Klasse mit genügend PCs ausgestattet ist. Und in vielen Familien tauchen Kinder Nachmittag für Nachmittag in virtuelle Scheinwelten ab. Bei der neuen KIM-Studie 2006 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest kam heraus, dass 57 Prozent der Sechs- bis Siebenjährigen den PC benutzen. Bei den Zwölf- bis 13-Jährigen sind es sogar 96 Prozent. Knapp ein Drittel der Kinder sitzt fast täglich am Computer, 54 Prozent ein- oder mehrmals wöchentlich und 16 Prozent noch seltener. Die Befürworter der Computer in Kindergarten und Grundschule behaupten, dass beim Nutzen pädagogisch wertvoller PC-Spiele Ausdauer, Konzentration und Sozialverhalten trainiert und kritisches Medienverhalten gefördert werden.

 

nanocomputer2Nur in Bewegung lernt ein Kind optimal

Die Kritiker – und es werden immer mehr – warnen: Sitzen vor dem Computer macht dick und träge. Nicht umsonst steigt die Zahl übergewichtiger Kinder stetig an. Und bei mehr als einem Drittel aller Kinder werden bereits vor der Einschulung Bewegungsstörungen beobachtet. Dies wirkt sich negativ auf Schulleistungen aus. „In Bewegung kann ein Kind Informationen besser aufnehmen und verarbeiten. Beide Gehirnhälften arbeiten enger zusammen. Wenn ein Kind Konzentrationsschwierigkeiten hat, können Bewegungsübungen ihm sogar helfen, die Aufmerksamkeit wieder zu finden. So werden Stresshormone abgebaut, das Gehirn wird besser durchblutet, die Sauerstoffaufnahme erleichtert und die Gehirnaktivität angeregt“, schreibt die Sportwissenschaftlerin und –pädagogin Prof. Dr. Renate Zimmer in ihrem Buch „So fördert Bewegung die Lust am Lernen“ aus der Reihe „Fit für die Schule“, erschienen im Herder Verlag.

„Durch Bewegung gewinnen Kinder Erkenntnisse über die Beschaffenheit ihrer Umwelt, über die Dinge und Gegenstände und ihre spezifischen Eigenschaften. Diese Erkenntnisse sind eng an Bewegung gebunden. Nur durch Bewegung können sich Kinder ein Bild davon machen, wann, warum und wie ein Ball springt, rollt oder fliegt und wie man dies durch eigenes Handeln beeinflussen kann. In den ersten Lebensjahren ist das Denken noch an unmittelbares Handeln gebunden. Das Lösen von Problemen erfolgt weitgehend durch den praktischen Umgang mit Dingen und Gegenständen, durch Ausprobieren und Erkunden. Erst mit zunehmendem Alter verlagert sich Lernen mehr und mehr auf die Vorstellungsebene“, sagt Prof. Renate Zimmer.

Besser keine Computer in Kindergärten und Grundschulen

Kinder lernen also durch unmittelbares Erleben. Und dies findet nur am Menschen statt. Bewegungs-, Tast-, Gleichgewichts- und Lebensgefühl-Sinn können von keinem Computer gefördert werden. Nur Sinneseindrücke regen die körperliche und seelisch-geistige Entwicklung an. „Nur dadurch, dass ich Wasser anfasse, kann ich lernen, was es heißt, dass Wasser nass ist. Ich höre das Wasser glucksen oder tropfen, sehe Wellen, rieche das Meer oder das Gras am Seeufer“, schreibt der Gehirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer in seinem Buch „Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens“, erschienen in Spektrum Akademischer Verlag. Fehle diese aus Sinneseindrücken gewonnene innere Vorstellung von Wasser, könne ein Kind auch die buntesten Bilder und die schrillsten Töne aus dem Computer gar nicht verstehen. Der Computer biete gegenüber den aus sinnlichen Wahrnehmungen gewonnenen Erfahrungen nur eine Art Bild- und Klangsoße, sagt Prof. Spitzer. Der Wissenschaftler ist deshalb überzeugt: „Computer haben im Kinderzimmer, in Kindergärten und in der Grundschule absolut nichts zu suchen. In den ersten vier Grundschulklassen müssen erst einmal grundlegende Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechen und Kenntnisse der Lebenswelt erlernt und eingeübt werden. Das gilt besonders auch für die Fähigkeiten des Zuhörens und Ausredenlassens, des Konzentrierens auf eine Sache und des Zusammenarbeitens.“ Kinder sollten also erst einmal die reale Welt kennen lernen, bevor sie in virtuelle Scheinwelten abtauchen.

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