Ostheimer Holzspielzeug: Fantasie und Kreativität - Wie unsere Spielfiguren sie bei Kindern anregen wollen

Ein Interview mit Wolfgang Schühle und Stephan Zech, den Geschäftsführern der Margarete Ostheimer GmbH  

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   Stephan Zech                                                                         Wolfgang Schühle

Spiel und Zukunft: Schildern Sie bitte kurz die Entstehung und die Zielsetzung Ihres Unternehmens?

Ostheimer Holzspielzeug kann inzwischen auf über 70 Jahre Firmen­geschichte zurückblicken. Vieles hat sich verändert in der Firma, doch die Grundsätze sind immer gleich geblieben. Von Anfang an bildete das von Rudolf Steiner entwickelte anthropo­sophi­sche Men­schenbild­ und die Waldorf­pädagogik die Grundlage für die Entwürfe des Holzspielzeugs. Auch die Herstellung wird nach wie vor in Handgestaltung ausgeführt, wie im Jahr 1939, als Walter und Adeline Ostheimer die erste eigene Spiel­zeugpro­duk­tion be­gannen. Verändert haben sich die Model­le, die die Kollektion von Ostheimer Spiel­zeug ausmachen, und vor allem die Größe des Betriebes. Aus einem winzigen Familienbe­trieb, ist über die Jahr­zehnte ein großes, modernes Holzspielzeugunternehmen geworden.

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Damals entstanden die ersten Tiergruppen, die in abgewandelter Form bis heute charakteristisch für Ostheimer-Spielzeug sind. Ab 1959 arbeitete Margarete Ostheimer zunächst mit den Eltern gemeinsam in dem kleinen Familienbetrieb und prägte seitdem die Entwürfe maßgeblich.  

ReiterOsthDer Entwurf zu diesem Klassiker stammt von Walter Ostheimer

Auf sie geht die typische Gestaltung der heutigen Ostheimer-Figuren zurück. Nach dem Tod von Walter Ostheimer 1965 übernahm Margarete Ostheimer die Leitung der Firma und führte diese 30 Jahre lang. Mit der tatkräftigen Unterstützung vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machte sie die Margarete Ostheimer GmbH mit den Holzspielzeugfiguren in der ganzen Welt bekannt. In ihrem 65. Lebensjahr übergab sie die Geschäftsführung an uns.  2001 führte Margarete Ostheimer die Firma aus dem Privatbesitz in die „Walter und Adeline Ostheimer Stiftung“ über. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, anthroposophische Initiativen und Einrichtungen zu unterstützen, so dass sie dem Impuls, der für die Firma selbst so entscheidend ist, auch wieder etwas zurückgeben und ihn stärken kann.

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Unser Ziel und Anspruch ist es, Spielzeuge auf den Markt und in die Kinderzimmer zu bringen, die Kinder in ihrem freien Spiel fördern und ihre Phantasie anregen. Dabei haben wir neben der körperlichen Gesundheit, besonders die seelische Entwicklung von Kindern im Blick. Wir sind der Überzeugung, dass Spielzeuge, die das freie Spielen fördern, die besten Lehrmeister für Kinder sind, damit sie ihr individuelles Potential entfalten können.

Welche Materialien verwenden Sie bei der Spielzeugproduktion? Wie sicher sind ihre Spielzeuge?

Wir verwenden grundsätzlich PEFC-zertifiziertes Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Wir verarbeiten ausschließlich heimische Hölzer wie Ahorn, Erle, Linde, Buche oder Esche. Das Holz wird komplett verwertet. Resthölzer werden im Winter zum Heizen des Betriebs genutzt. Die Verwendung von zertifizierten Spielzeug-Markenfarben ist uns genau so ein Selbstverständnis, wie der Einsatz von hochwertigen biologischen Ölen zur Endbehandlung unserer Figuren.
Und wir sind da, wo unsere Spielsachen gemacht werden, begleiten die Produktion ganz nahe und können somit sicher sein, dass da, wo Ostheimer draufsteht, auch Ostheimer drin ist. Wir achten darauf, dass die Sicherheitszertifikate unserer Hölzer, Farben, Lacke, Öle und Zubehörteile, jederzeit den neuesten Spielzeugsicherheits-Richtlinien entsprechen.

Welche Produktlinie im Bereich Spielzeug ist bei Ihren Kunden besonders beliebt?

Neben dem Verkaufsschlager – unseren vielfältigen Krippenfiguren - sind unsere Tiere und Figuren rund um die Themen Bauerhof und Wald und Flur sowie die Zoo- und Wildtiere bei unseren kleinen und großen Kunden am beliebtesten.

KRIPPENSTALL SOFT

Zudem haben wir vor vielen Jahren ein Burg-Grundset entwickelt, das man immer wieder durch neue Elemente wie Zugbrücken und Tore, Türme und Brunnen erweitern und neu kombinieren kann. Auch das wird sehr gerne gekauft. Dazu gibt es natürlich eine Fülle von Ritter- und Märchenfiguren. Da unsere Figuren alle zusammenpassen, wird mit ein paar Kühen und Schweinen, einer Bäuerin und einem Knecht im Nu aus der Ritterburg ein Bauernhof entsteht oder ein verwinkeltes Schloss, in dem mit einer Prinzessinnenfigur, einem Königssohn und einem wilden Drachen im Handumdrehen eine spannende Geschichte erzählt und gespielt wird.

So ist es schön, zu Geburtstagen und an Weihnachten Neues dazu zu schenken und nach und nach ganze Spiel-Landschaften entstehen zu lassen.

In welchen Spielzeugläden können Eltern Ihre Produkte kaufen? Gibt es auch Online-Shops?

Ostheimer Spielzeug gibt es in vielen guten Fachgeschäften und bei einigen Online-Händlern. Von einem eignen Online-Shop sehen wir ab, weil wir nicht in Konkurrenz zu unseren Fachhändlern stehen wollen.

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Was brauchen Kinder zum Spielen und was auf keinen Fall?

Kinder brauchen Eltern, die Verständnis für die Spielfreude ihrer Kinder haben und wohlwollend deren natürlichen Drang begleiten, Neues auszuprobieren und eigene Welten zu erfinden.

Wer die Bedürfnisse von Kindern ernst nimmt, erspart ihnen Spielzeug, das zwar unterhaltungs-, aber keinen Spielwert hat, das Kinder eher passiv macht, statt sie zur ganzheitlichen Aktivität und Kreativität anzuregen. Medienspielzeuge sind hier besonders zu nennen. Außerdem gibt es unzählige Spielzeuge, die bizarre, schaurige und Gewalt verherrlichende Dinge darstellen. Sie hinterlassen in der Seele des Kindes schreckliche Bilder und richten wirklichen Schaden an.

Bitte ergänzen Sie folgenden Satz: „Spielen ist gerade für Kinder heute wichtig, weil...“

„...Kinder im freien Spielen auf gesunde und natürliche Weise all das lernen, was sie fürs Leben brauchen. Ohne solches Spielen ist keine gesunde Entwicklung möglich!“
„Und weil die Spielräume für unsere Kinder unter dem Druck der Leistungsgesellschaft immer weiter eingeschränkt werden.“

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Was sind Ihre Zukunftsvisionen in Bezug auf eine glückliche Kindheit?

Wir von Ostheimer hoffen, dass Kinder auch in Zukunft in einem liebevollen Umfeld möglichst viel Zeit und Raum zum freien und kreativen Spiel bekommen. Jedes Kind sollte sich seinen individuellen Fähigkeiten entsprechend und in dem ihm gemäßen Tempo entwickeln dürfen.

Warum engagieren Sie sich bei Spiel und Zukunft?

Wir machen Spielzeug, mit dem Kinder frei und fantasievoll spielen können, weil wir überzeugt sind, dass das freie Spielen die gesündeste Art für Kinder ist, sich zu entwickeln. Der enorme Druck unserer auf Leistung und Anpassung angelegten Gesellschaft macht es Eltern immer schwerer, ihren Kindern Zeit zu lassen, so ihre Persönlichkeit zu entfalten. Das heißt, Kinder brauchen Eltern, die erkennen, sie wirklich brauchen: liebevolle Geborgenheit, Vertrauen in ihre Fähigkeiten und viel Zeit zum freien Spielen.

Spiel und Zukunft ist für Eltern ein Begleiter, der ihnen hilft, die Bedürfnisse ihrer Kinder zu verstehen, der sie darin unterstützt, Freude an ihren Kindern zu haben und der eigenen Intuition zu trauen, wenn es um die Erziehung geht, und der Zuversicht vermittelt, das die Kinder ihren individuellen Weg finden werden.

Was ist das Besondere an Ihren Tierfiguren?

Die Ostheimer Figuren werden von jeher in reiner Handarbeit hier in Deutschland hergestellt, jedes Stück ist handbemalt und wird am Ende mit natürlichen Ölen behandelt. So ist jede Figur ein Unikat. Dabei ist es uns wichtig, das Charakteristische eines Tieres im Ausdruck auf das Wesentliche zu beschränken. So entsteht die Freiheit für das Kind, das Tier durch seine Fantasie zu beleben.

Es gibt Tierfiguren aus allen natürlichen Lebensräumen dieser Erde, vom Eisbären aus der Antarktis, über die einheimischen Bauernhoftiere, bis hin zu den Zebras aus Afrika und den Pinguinen vom Südpol.

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Großen Wert legen wir darauf, Tiere unterschiedlichen Alters und in verschiedenen Körperhaltungen zu gestalten, sodass kleine Tiergruppen, Rudel und Herden entstehen. So können Kinder das Leben dieser Tiere in ihrer ursprünglichen Umgebung und ihr Verhalten bestens nachempfinden.

Welche Fähigkeiten fördert das „Kleine-Welt-Spiel“ mit den themenbezogenen Figuren?

Kinder sind von Natur aus kreativ und fantasievoll. Unsere Spielfiguren kommen ihrem Drang entgegen, sich „kleine Welten“ zu erschaffen und darin zu spielen. Mit den Figuren können Kinder vieles nachspielen und erleben: die Arbeit auf dem Bauernhof mit Kuh, Schwein und Ziege, Handwerkstätigkeiten wie Malern, Schreinern und Bauen, ein Abenteuer in der afrikanischen Steppe mit Löwe und Giraffe, den Kampf von Gut und Böse mit Burgfräulein, Rittern und Räubern oder den Spaß in der Zirkusarena mit der Seiltänzerin und dem Raubtierbändiger.

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Spielen sie alleine und nur für sich, können sie ihrer Fantasie freien Lauf lassen und Erlebtes verarbeiten. Im Aufbau von „kleinen Welten“ mit anderen Kindern lernen sie Rücksicht zu nehmen, Kompromisse zu schließen und gemeinsam eine Welt zu erschaffen, die allen gefällt und in der alle Platz haben.

Sie engagieren sich für soziale Projekte, etwa  „Nestwärme“, „Wellcome – Praktische Hilfe für Familien nach der Geburt“? Warum ist das für Sie so wichtig?

Wir engagieren uns seit vielen Jahren für verschiedene soziale Belange. Nur um einige Beispiele zu nennen:

Nestwärme ist ein Verein, der Familien mit chronisch kranken Kindern unterstützt, die oft am Ende ihrer Kräfte sind. Wir finden die Arbeit dieser Menschen bewunderns- und unterstützungswert. www.nestwaerme.de.

Wellcome hilft überlasteten Müttern mit Babys, die eine Auszeit brauchen. Auch diesen Müttern soll geholfen werden, damit sie wieder genügend Energie für ihre Kinder haben. www.wellcome.de

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Dazu ist uns die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen sehr wichtig. Bei uns im Betrieb haben wir viele Arbeitsstellen für Menschen mit Behinderungen geschaffen, damit auch sie die Möglichkeit haben, sich am ersten Arbeitsmarkt mit ihren Fähigkeiten einzubringen. Da kommt auch für uns „so genannte Nichtbehinderte“ ganz viel zurück.

Zudem haben wir an der Gründung einer Holzwerkstatt mitgewirkt, die von engagierten Eltern von Menschen mit Behinderung ins Leben gerufen wurde. Dort arbeiten zwischenzeitlich ca. 10 Menschen mit Behinderung am ersten Arbeitsmarkt unter Anleitung von ausgebildeten Betreuern und produzieren und verkaufen tolle Holzspielzeuge. Durch die Vergabe von Produktionsaufträgen unterstützen wir diese Holzwerkstatt in ihrer Grundauslastung.

Und zu guter Letzt, aber ganz wichtig: die Inhaberin der Ostheimer GmbH, die Walter und Adeline Ostheimer Stiftung ist eine gemeinnützige Stiftung und unterstützt und fördert viele soziale Projekte.

Sie haben einen so genannten KulturRaum in Ihrem Unternehmen eingerichtet. Was war Ihnen bei der Umsetzung dieser Idee wichtig?

Wir haben einen schönen Sozialraum in der Firma, der bis vor einigen Jahren außerhalb der Pausen  unserer Mitarbeiter ungenutzt blieb. Wir wollten Familien in unseren Betrieb einladen und das, was in unseren Figuren lebt, auch hier erlebbar machen. So gibt es die Möglichkeit, Kindergeburtstage bei uns zu feiern oder unsere monatlich veranstalteten Märchen-Nachmittage zu besuchen. Dabei wird jeweils ein Märchen - wie „Dornröschen“, „Rapunzel“ oder „Tischlein-deck-Dich“ – im Tischtheater mit Ostheimer-Figuren aufgeführt. Nach der Märchenstunde wird es dann lebendig: das Erlebte wird nachgespielt oder aufgemalt, es gibt Tee und Kuchen und oft kommt man ins Gespräch  mit den Eltern und kann im besten Fall mit Ratschlägen helfen.

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Wie wird das Märchen-Angebot des KulturRaums von Eltern und Kindern angenommen?

Unsere Aufführungen sind im Dorf und in der Umgebung sehr beliebt und gut besucht. Auch Kindergärten und Schulklassen kommen und nutzen unser Angebot, als Gruppe ein Märchen zu besuchen sowie die Produktion zu besichtigen und sich selbst am Bemalen von Figuren zu versuchen. Es ist schön zu sehen, wie berührt Kinder von all dem sind, wenn sie z.B. ganz vertieft, mit großen Augen und offenem Mund das Märchenspiel verfolgen. Auch viele Erzieherinnen sehen das Geschehen und die ihnen anvertrauten Kinder hier manchmal mit neuen Augen. Da werden aus großen Zappelphilippen plötzlich gebannt stillsitzende kleine Wesen.

Warum brauchen Kinder Märchen?

In Märchen erleben Kinder, dass das Gute siegt und das Böse bestraft wird, dass ein Hasenfuß seine Angst überwinden kann und für seinen Mut belohnt wird, dass jemand, der benachteiligt war, trotzdem glücklich werden kann. Das gibt Kindern Zuversicht und Hoffnung für den eigenen Lebensweg.
Märchen helfen Kindern, innere Werte auszubilden und in einer immer unübersichtlicheren Welt, Ordnung und Orientierung zu finden.

Erleben Kinder ein Märchen intensiver, wenn sie es mit Figuren nachspielen?

Beim Nachspielen mit den Figuren tauchen Kinder ganz in das Gehörte ein, sie erleben das Märchen wieder und ganz so, als ob es ihnen selbst geschieht. Das ist ein intensiver Vorgang, in den wir als Erwachsene nicht eingreifen sollten. Hier bilden sich Kinder selbst und schaffen sich eine innere Welt, die sie gefestigt ins Leben gehen lässt.

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Sie liefern nicht nur die Ideen für einen Kindergeburtstag. Sie bieten Eltern und Kindern darüber hinaus die Möglichkeit, auf Ihrem Betriebsgelände ein Kinderfest zu feiern. Wie entstand diese Idee, und welche Erfahrungen haben Sie bisher damit gemacht?

Wir wollten den Eltern helfen, die keine Zeit oder nicht den nötigen Platz zu Hause haben, um einen schönen Kindergeburtstag auszurichten. Am Geburtstag sollte das Kind im Mittelpunkt stehen und erfahren, dass dies ein ganz besonderer Tag ist, an dem sich alle „freuen, dass es geboren ist.“ Unser gemütlicher KulturRaum bietet ein kindgerechtes Ambiente. Für viele Familien sind die Geburtstagsfeiern im KulturRaum eine gute Alternative zum Kinobesuch oder zum oft üblichen Ausflug ins Schnellrestaurant. Denn hier erleben Kinder Sinnhaftes und Kindgerechtes, können selbst aktiv werden und spüren, dass sie wirklich gemeint sind. So können sich das Geburtstagskind und seine Gäste wirklich gewürdigt und rundum wohl fühlen.
Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Weitere Informationen und Auskünfte zum Sortiment der Firma Margarete Ostheimer GmbH finden Sie auf deren Webseite www.ostheimer.de  

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